back to the drawing board
Unser
Wissen nährt uns, treibt uns an, bereichert unseren
schöpferischen Geist. Was andere taten, was sie schufen,
erdachten, erträumten, kräftigt unseren Schritt,
lehrt uns präzisen Blick, lehrt uns Ziele, Wege, Träume,
führt uns die Hand. Wir schreiten die Form aus, gestalten,
deformieren sie nach unseren Visionen, folgen den Stimmen,
folgen der unsichtbaren Hand. Wir brechen auf in die Zukunft,
in die wachsende Transparenz, getrieben von einem Wind aus
Ahnungen, Hoffnungen, Erinnerungen, ziehen wir – bis
uns das Wissen einholt.
Unser Wissen macht uns scheitern, bezichtigt uns des Überflüssigseins
in einer Welt des viel-zu-Vielen, bezichtigt uns des hilflosen
Plagiats. So beginnen, suchen wir neu, suchen im Leeren,
im Ungewissen, so schaffen wir, treiben hervor, setzen Formen
ins Neue, zur Zukunft hin, konturieren wir das Konturlose
– bis uns unser Wissen einholt. Solange wir nicht
wissen, was es ist, was wir tun, solange wir nicht unsere
Gesten identifizieren können, solange wissen wir nicht,
dass andere besser taten, was wir tun, wir nur nachahmen,
was andere aus sich schöpften – wissen wir nicht,
dass unser Tun überflüssig ist. Wenn uns das Wissen
einholt, legen wir die Form ab, legen wir die Geste ab,
legen wir das Pathos, die Idee, den Begriff ab und den Traum.
Wenn uns das Wissen einholt, scheitern, fallen wir, suchen,
beginnen wir neu, beginnen wir in Unwissenheit, jenseits
der Erinnerungen, jenseits der festumrissenen Ideen.
Oder wir halten fest an der Form und Geste und hoffen, dass
unser Wissen falsch ist, dass die verbreiteten Meinungen
lügen, hoffen, dass unsere Geste, unser Pathos, unser
Begriff und Traum ursprünglich ist, unsere Sprache
eine originäre Sprache, ein authentischer Ausdruck
unserer Zeit, hoffen, dass sie eine Kraft ist jenseits der
Messinstrumente, die Ähnlichkeit mit goldenen Zeitaltern
nur Oberfläche und trügender Schein.
Oder wir finden Impulse, die uns tragen und treiben, durch
das Wissen hindurch, mit diesem und daran vorbei, finden
eine Bahn, in der sich heitere Ahnungen zusammenschließen,
Inspirationen aus Erfahrungen unserer Zeit, finden eine
erfinderische Dichte, die reichen Sorgen und Hoffnungen,
Defiziten und Fertigkeiten, nahen Horizonten entspringt,
finden begegnungsoffen den Strudel sprechender Formen, ohne
ängstliche Rücksicht auf ein gestern oder morgen
und bewegt allein durch den geselligen Trieb der Sprache.
Friedrich Hausen